Ausblicke

SOA , kurzfristiger Trend oder tief greifende langfristige Veränderung?

Mark Twain wird der Satz zugeschrieben, dass Vorhersagen schwierig seien, besonders wenn sie die Zukunft betreffen. Die Diversität der heute publizierten Ausblicke zum Thema SOA scheinen diese Ansicht zu bestätigen: Nichts ist derzeit schwieriger, als einen Ausblick auf die zukünftige Marktentwicklung von Service-orientierten Architekturen zu geben.

Es erschien dem maßgeblich an der Erstellung des Leitfadens beteiligten BITKOM-Arbeitskreises daher wichtig, dem Leitfaden einen zwischen allen Teilnehmern abgestimmten, einheitlichen Ausblick hinzuzufügen.

SOA besteht nicht nur aus Technologien. SOA ist vielmehr ein 'Mindset', eine Kultur, eine Transformation. Vor allem aber ist SOA ein längerfristiger Ansatz, Geschäftsabläufe zu optimieren, zu flexibilisieren und Geschäft (Business) und IT näher zusammenzubringen. Service-orientierte Architekturen werden als notwendiger Schritt angesehen, die IT als Wegbereiter und Beschleuniger für das zukünftige Geschäft zu positionieren.

SOA-Projekte werden mit der Zeit durch Zunahme und häufige Wiederverwendung von Services immer besser und erhöhen die Flexibilität für viele Bereiche. Je mehr der Endanwender die Software nutzt, desto besser kann sie werden. Deswegen sind Service-orientierte Ansätze und Projekte - laut der Meinung führender Analysten und deren Kundenumfragen - eine "ongoing journey", sie verfolgen ein langfristiges Ziel: Im Business- und IT-Bereich so flexibel und im Anwendungsbereich so wiederverwendbar wie nur möglich zu werden. Flexibilität in IT und Business sowie Wiederverwendbarkeit von Services werden nur durch standardisierte Formate und Schnittstellen erreicht.

Unserer Ansicht nach:

  • wird sich der SOA-Ansatz in vielen Aspekten über einen Zeitraum von 5 Jahren entscheidend weiterentwickeln und reifen.
  • werden die in diesem Leitfaden beschriebenen SOA-Kernthemen von allen Teilnehmern als gemeinsamer Architektur-Standard weiterhin unterstützt und fortentwickelt werden.
  • werden neue neue Formen der Zusammenarbeit (z.B. Kollaboration im Web 2.0) und verfeinerte Methoden den SOA-Standard durch auf dieser Basis erweiterte Nutzenpotentiale stabilisieren.
  • wird SOA die Grundlage für eine neuartige Zusammenarbeit zwischen IT und Fachabteilung, zwischen Kunden und Softwareanbieter sowie zwischen Kunden und der IT-Serviceindustrie.
  • wird SOA eine Industrialisierung der IT vorantreiben.

SOA, quo vadis?

Doch wo geht die Service-orientierte Reise hin? In proprietäre IT-Umgebungen? In proprietär modellierte Geschäfts-Services? In proprietäre Software-Architekturen und Technologien? Genau das Gegenteil sollte der Fall sein. In den Medien wird oft über ein Scheitern des SOA Ansatzes berichtet. Alle Meldungen über das allgemeine Scheitern von begonnenen SOA Projekten oder sogar des SOA-Ansatzes in der IT halten wir für unzutreffend. Der Kern des heutigen SOA-Ansatzes wird allen Versuchungen widerstehen, proprietäre Sonderwege einzuschlagen, und somit stabil bleiben.

Die SOA-Kernthemen umfassen unserer Meinung nach

  • eine neue Art der Zusammenarbeit zwischen Fachabteilung und IT auf Basis eines einheitlichen SOA-Ansatzes
  • eine auf Standards basierende Interaktion unterschiedlichster IT-Komponenten
  • die Verwendung von offenen Web Services und offenen Schnittstellen, welche die Kommunikation zwischen den einzelnen Services und deren Wiederverwendbarkeit durch herstellerübergreifende Web-Service-Standards gewährleisten werden.

Unsere Meinung basiert auf der in diesem Leitfaden ausführlich erläuterten Erfahrungen, dass SOA eine umfassende Antwort auf dringende Probleme der heutigen IT-Märkte bietet:

  • Heutiger IT-Landschaften sind extrem komplex und bieten keine neuen Lösungen
  • Die Aufwände für Wartung und Erhaltung bestehender Infrastrukturen lässt zu wenig Ressourcen für Erweiterungen und Innovation übrig.
  • Der Unzufriedenheit von Fachabteilung und IT wächst, da mit den bestehenden IT-Landschaften das gewünschte Tempo der Veränderung im Unternehmen nicht realisiert werden kann, zum Nachteil aller Beteiligten
  • IT-Budgets werden in das Kostenmanagement mit einbezogen. Von IT-Bereichen werden deutliche Produktivitätsfortschritte eingefordert: Mit weniger Ressourcen mehr Produktivität zu erreichen.

SOA bietet für diese dringenden Probleme einen Lösungsansatz. Es ist daher zu erwarten, dass SOA für die nächsten 5-7 Jahre ein zentrales Thema für IT-Kunden und die gesamte IT-Industrie sein wird.

Weiterentwicklungen der SOA, die zurzeit unter Begriffen wie Semantic SOA, event-driven SOA, Enterprise SOA diskutiert werden, werden an den grundlegenden Paradigmen nichts ändern, sondern bestenfalls das aktuelle Konzept von SOA erweitern und ergänzen.

Befürchtungen der Kunden dass die heute auf gemeinsamen Standards basierende SOA in hersteller¬spezifische proprietäre SOA-Angebote zerfallen wird, lassen den Wunsch der Kunden nach einheitlichen Standards und die mittlerweile beachtliche Durchsetzungskraft der Kunden außer Acht. Die meisten Unternehmen haben eine heterogene IT-Landschaft von mehreren IT-Anbietern, proprietäre SOA-Ansätze lösen die beschriebenen Problem nicht und werden daher keine Käufer finden.

Als Mark Twain seine eigene Todesanzeige in einer Zeitung lesen musste, die ein Witzbold dort plaziert hatte, antwortet er wie folgt: "Alle jüngsten Aussagen über mein Ableben halte ich persönlich für stark übertrieben."
Die Kräfte des Marktes werden SOA als gemeinsamen Standard stabilisieren und zur dominierenden Architektur werden lassen.

Auf Basis von SOA entstehen neue Formen der Zusammenarbeit

SOA Services können von jedermann in jeder ausführbaren Computer-Sprache erstellt und angeboten werden. SOA setzt die Standards, die alle IT-Komponenten erfüllen müssen, damit sie auf allen SOA-Plattformen ablauffähig sind. Neue Anwendungen können entstehen, ohne dass fundierte Kenntnisse über Plattformen notwendig sind.

Alle namhaften Herstellern von IT-Plattformen setzen schon heute auf SOA - sowohl im Bereich Middleware als auch im Bereich der Anwendungen. Sie entwickeln die neusten Versionen ihrer Software auf Basis von SOA und fordern auch Fremdanbieter auf, zusätzliche Services anzubieten. So werden sich um diese "Superplattfomen" sehr lebendige SOA-Ökosysteme entwickeln, die neue, industriespezifische "composite Business-Services" anbieten werden, sowohl für Anwendungen, die jeder Mitarbeiter brauchen kann, als auch für spezielle Industrielösungen. Diese Ökosysteme, auch "Business Services Fabric" genannt, sind sicherlich ein wesentliches Differenzierungsmerkmal im Wettbewerb der Anbieter und werden den Kunden zusätzlichen Nutzen bringen.

Innovative kleine Starts-ups haben in der SOA-Welt ebenfalls große Chancen, sich mit ihrem Mehrwert zu etablieren, und ihre Services auf einfache Weise in die IT-Welt ihrer Kunden zu integrieren.

Neue Impulse werden auch durch sogenannte Mashed-ups entstehen, d. h. durch die Verknüpfung von (IT- oder Kommunikations-)Anwendungen mit Diensten aus dem Web. So können neue Dienste mit Mehrwert entstehen, die z. B. die präsenzbasierte Kooperation um geographische Daten erweitert, um Treffpunkte festzulegen und den Weg zu den Meetings effizient zu planen.
Unternehmen, die im Rahmen des SOA-Ansatzes über ihre Grenzen hinaus zusammenarbeiten, können Fremdservices nutzen und von der Infrastruktur ihrer Partner profitieren, sodass eine engere und bessere Kooperation als bisher ermöglicht wird.

Unternehmenskritische Services können mit Services gekoppelt werden, die von Application Service Providers (ASPs) oder Independent Software Vendors (ISVs) angebotenen werden. Dieses Vorgehen kann große Kostenvorteile erzeugen, ohne dass wesentliches Unternehmens-Know-how ausgelagert werden muss.

Die Wahlmöglichkeiten der Unternehmen erweitern sich sehr: Sie können auf bewährte Partner setzen und darüber hinaus neue Services integrieren, die ihr eigenes Angebot unverwechselbar machen. Insbesondere die Unterstützung neuer Geschäftsmodelle ist in diesem Kontext ein wichtiger Punkt.

Damit ergeben sich weitere mögliche Auswirkungen von SOA:
In IT-Programmen umgesetztes Fachwissen wird über die technischen Grenzen einer Plattform hinaus für alle SOA-Plattformen verfügbar.

  • Das Angebot an Komponenten für SOA steigt.
  • Der potentielle Absatzmarkt für SOA-Komponenten wächst.
  • Der wirtschaftliche Anreiz SOA-Komponenten anzubieten, ist größer als bei einzelnen herstellerspezifischen Plattformen.
  • SOA-Kunden haben mehr Auswahl an Services und Service-Providern.

Anwendungssoftware wird fein-granularer.

  • Auf Basis einer SOA-Plattform sind Komponenten unterschiedlicher Herkunft den SOA-Standards folgend einfach integrierbar. Eine integrierte Paketierung der Anwendungen wie heute üblich, wird an Bedeutung verlieren.

Geschäftsprozesse und Abläuf der Betriebwirtschaft werden zunehmend standardisiert, um Komponenten, Inhalte eindeutig beschreiben zu können

  • Eine einheitliche Beschreibungen von SOA-Komponenten ermöglicht es, einzelne Komponenten separat anzubieten
  • Neue Angebotsformen und Abrechnungsmodelle entstehen
  • Eine globale Industrie für Komponenten entsteht
  • Komponentenhersteller aller Größenordnungen können mit gleichen Chancen in einen globalen Wettbewerb treten
  • WEB2 ähnliche Communities entstehen, sie treiben die Entwicklung für Komponenten und Anwendung der SOA voran

Grenzen zwischen Kunde, Softwareanbieter, Serviceanbieter, Communities etc. werden aufgehoben:

  • Kunden, Servicefirmen, Communities etc. können ihr Fachwissen in einer Komponente bündeln
  • Der Fokus der Kunden sowie der SOA Anbietern wird sich von der SOA-Infrastruktur hin zu ganzen Service-Angeboten auf Basis von SOA verlagern
  • Die Fachkompetenz entscheidet über den Erfolg einer Komponente
  • Neue Formen der Zusammenarbeit im Markt entstehen
  • Zahlreiche Aus- und Neu-Gründungen im Bereich der Komponentenanbieter werden entstehen

SOA ist somit - wie die gesamte IT Branche - ständig in einem Wandel. Doch welchen Einfluss haben neue IT-Technologien auf zukünftige SOA Aktivitäten und Projekte?

Erweiterter Ausblick unter Einbeziehung anderer Technologien

Einfluss neuer IT-Technologien auf zukünftige SOA Projekte

Laut einer Umfrage unter den Top 500-Firmen werden deren zukünftige SOA-Aktivitäten (gemäß einer AMR-Studie in 2006) von folgenden Themen beeinflusst:

Verbesserte Integration von Informationen und Services (IaaS)
IaaS (Information as a Service) mach Informationen in Service-orientierten Anwendungen konsistenter und erreichbarer. Ziel von IaaS ist es, Informationen generell als Service zur Verfügung zu stellen, damit jeder Service-Nutzer in Echtzeit, regelbasiert und vor allem kontrolliert auf aktuelle Informationen konsistent zugreifen kann. So wird eine hohe Datenqualität für Services sichergestellt. Der Trend geht hier zu Daten-Services aus verschiedenen SOA-basierten Anwendungen und Portalen, die konsistent sind und auf die in Echtzeit zugegriffen werden kann. Sie sind mit anderen Services kombinierbar, um neue Geschäftsprozesse und Daten zu erzeugen.

Größere Kundenorientierung durch Stammdaten-Management
Gerade durch den granularen Aufbau einer SOA hat sich der Wunsch der Fachabteilungen nach einer konsistenten, vollständigen und vor allem hochaktuellen Sicht auf wichtige Stammdaten (Kunden, Partner, Lieferanten, Produkte) noch mehr verstärkt. In einer SOA spielt gezieltes Stammdatenmanagement (Master Data Management) eine besondere Rolle: Über definierte Information-Services werden wichtige Geschäfts- und Stammdaten stets aktuell, konsistent und standardisiert anderen Geschäftprozessen bzw. Services zur Verfügung gestellt, z. B. durch andere Benutzer, Anwendungen oder Prozesse. Innovative Lösungen führender Hersteller für das Master Data Management basieren heute auf einer SOA und verbinden Geschäftsabläufe/Geschäftsprozesse mit zentralen Geschäftsdaten (Stammdaten) durch Informations-Integration (SOI-, SOA-Integration). Dieser Integrations-Prozess wird auch "Master Data Services" (MDS) genannt und sorgt für die Konsistenz, Vollständigkeit und Aktualität von wichtigen Stammdaten. Darüber hinaus ermöglicht er die Pflege von Daten aus heterogenen Quellen. MDS im Rahmen einer SOA ermöglicht eine umfassende Sicht auf Kunden und Produkte und verbessern den Service-Level für Kunden und Partner. Darüber hinaus wird die Einhaltung und das Management gesetzlicher Anforderungen (Compliance) erleichtert.

Standardisierung von Web Services
Heute werden Web Services hauptsächlich dazu verwendet, über interne, vor allem aber externe Integration von SOA-Komponenten einen Business Value zu erzeugen. Die Entwicklung geht dahin, 'diskrete' Prozesse und Applikationen als Services von externen Providern zu beziehen, was wiederum den Trend zum Provisioning und zur Orchestrierung von Geschäftsprozessen beschleunigen wird.

End-to-End XML
Ein Kern-Element einer SOA ist die Vereinbarung und Verwendung von standardisierten Schnittstellen (Interfaces) zwischen Service-Nutzern und Service-Anbietern. Bevor XML-fähige relationale Datenbanken existierten, war es mit höherem Programmieraufwand verbunden, relationale und XML-Datenstrukturen zu vereinen. Durch die neuen XML-Funktionalitäten und die Möglichkeiten, Daten in dem XML-Format zu speichern und zu übertragen, haben moderne relationale Datenbankmanagementsysteme (RDBMS) das zu übertragende Datenvolumen und somit die Aufwände für Speicherung, den Austausch und die Transformation der Service Messages reduziert. Für SOA-Umgebungen bedeutet dies eine echte End-to-End-Verwendung von XML-Nachrichten sowie den gezielten Austausch dieser XML-Nachrichten über Web Services.

Standardisierung der Business Process Execution Language (BPEL)
Die intelligente Automatisierung von skalierbaren und komplexen Geschäftsprozessen mittels der Kombination verschiedener Software-Technologien sowie die Möglichkeit der internen wie auch externen Kommunikation über standardisierte Services mit verschiedenen Geschäftspartnern macht SOA besonders wertvoll. Eine SOA wird dann noch einfacher zu realisieren sein, wenn mithilfe ausgereifter und kompletter BPM Lösungen, die auf einem gemeinsamen BPEL Standard aufbauen, Geschäftsprozesse über Standard-Services herstellerübergreifend und produktunabhängig miteinander kommunizieren können.

Erweiterung der SOA durch Event-Driven Architecture (EDA)
Im Rahmen einer ereignisgesteuerten Software-Architektur wird die Serviceorientierung einer SOA mit einer ereignisorientierten Verarbeitung von Services und Daten in Echtzeit kombiniert.
Die Standards bezüglich Business-Modellierungs-Sprachen sind weitgehend gesetzt, z. B. durch BPEL bzw. BPEL4WS, doch für EDA hat sich ein Web-Services-Standard wie z. B. Web Services Eventing noch nicht durchgesetzt. Dies ist auch der Grund, warum EDA mit SOA in vielen Projekten bisher noch wenig Praxisanwendung gefunden hat. Die Erweiterung von SOA-Projekten durch EDA bringt eine zusätzliche Komplexität mit sich, für die weitreichende Governance-Mechanismen notwendig werden.

Aktive SOA Governance und Business Activity Monitoring durch den gezielten Einsatz einer Service Registry bzw. eines Repository (auch Service Repository Federation)
Viele SOA-Projekte sind bisher wegen unzureichender oder fehlender Governance-Aktivitäten nicht erfolgreich verlaufen. SOA Governance ist primär ein Prozess des Service Lifecycle Managements, der nicht nur alle Phasen eines SOA Deployments, sondern auch die der Ausführung von Prozessen überwacht - bis hin zu Business Activity Monitoring.
Bei einer optimalen SOA-Governance-Strategie ist die Verwendung einer Service Registry und Repository für SOA immens wichtig: Ein SOA Registry und Repository unterstützt den gesamten Lebenszyklus von Prozessen, Policies und Services. Während Service Registries meistens Schnittstellenbeschreibungen von Diensten speichern, sind Repositories für die Verwaltung einer Vielzahl weiterer Service-Informationen vorgesehen. Eine SOA Registry und Repository wird manchmal zu einer integrierten Einheit zusammengefasst und auch als 'SOA Repistry' bezeichnet.
Anwendungen werden in einer SOA durch Services ergänzt - so werden viele neue Services geschaffen, die freizugeben und zu steuern sind. Dadurch entstehen komplexe Abhängigkeiten und Netzwerke der Services untereinander, was wiederum ein gut geführtes (Business) Services Registry und Repository notwendig macht. Die Integration von verschiedenen Repositories und der föderierte Zugriff auf diese, um SOA Assets schneller identifizieren, verwalten und wiederverwenden zu können, wird die Leistungsfähigkeit einer SOA positiv beeinflussen, da mehr Services kombiniert und neue Services geschaffen und verwendet werden können. Business Services Repositories sind der organisatorische Mittelpunkt einer SOA-Lösung. Durch den Anstieg der gesetzlichen Bestimmungen und Compliance-Anforderungen werden SOA Governance und Business Activity Management immer bedeutender - ihnen obliegt es, für die Übersichtlichkeit und Transparenz von Geschäftsabläufen und Prozessen zu sorgen. So müssen im Rahmen von SOA zukünftig Geschäftsregeln (Business Rules) etabliert werden, um eine Business Integrity (Geschäftsintegrität) zu gewährleisten.
Darüber hinaus gilt es, ein Geschäfts-Vokabular (Business Vocabulary) zu entwickeln sowie eine erweiterungsfähige Business-Reporting-Sprache (Business Reporting Language), XBRL, zu etablieren.

Kopplung geschäftsbezogener und technischer Metadaten (Metadata Management)
Metadaten sind entscheidend für SOA Governance, für die Wiederverwendung von Services und für die Agilität eines Unternehmens durch SOA.
Die Services beschreibenden Metadaten werden in einer komplexen Service-orientierten Architektur immer wichtiger, um die Vielzahl der bereits existierenden Services klar voneinander abzugrenzen, den Geschäftskontext und die technologischen Assets miteinander zu verknüpfen und schließlich um IT und Geschäftsziele in Einklang zu bringen.

Einsatz industriespezifischer SOA-Frameworks und -Methoden
Industriespezifische, vorgefertigte SOA-Pakete beschleunigen für bestimmte Geschäftsbereiche die Entwicklung einer neuen Art von Service-orientierten Anwendungen, den sogenannten Component Business Services (CBS). Eine Orientierung der SOA an fachlichen Geschäftsfeldern (sog. Industry Solution Packs bzw. Frameworks) ist für ihren Erfolg wesentlich: Der unmittelbare Bezug zum Geschäftsfeld wird hergestellt, industriespezifische, vordefinierte und somit standardisierte Prozesse können verwendet werden und technologische und geschäftliche Anforderungen der jeweiligen Branche werden so durch die SOA-Lösung näher zusammengebracht. In diesen Frameworks sind Geschäftsprozesse in Form von industriespezifischen Services auf die jeweiligen Branchen zugeschnitten, können aber auch auf spezielle Anforderungen einer Branche angepasst werden.

Business Blueprints und SOA Industrie Frameworks werden miteinander gekoppelt, um Umsetzung der Geschäftssicht eines Unternehmens durch die IT effektiv zu steuern und die Transformation der Geschäftsbereiche und ihrer IT-Systeme zu einem Service-orientierten operationalen Modells zu unterstützen. Zu diesem Zweck werden Component Business Services verwendet. Diese erzeugen neue Funktionalitäten, indem Service-Komponenten aus verschiedener Quellen zusammengeführt werden.

Entwicklung neuer und Weiterentwicklung existierender Geschäftsprozesse durch die gezielte Bündelung bestehender Services zu neuen Anwendungen (Composite Applications)
Sogenannte "Composite Applications" ermöglichen die Abbildung von komplexen Geschäftsabläufen, die durch spezielles Packaging oder als Appliances gebündelt, also vereinfacht, wurden. Die stetige Weiterentwicklung und Verbreitung von webbasierten Services führt zu einer effektiven Komposition von Business Services. Gezielt zusammengestellte Geschäftsabläufe lassen sich in einzelne Services zerlegen und wieder neu zusammensetzen, um sie hinsichtlich Effizienz und Flexibilität zu optimieren. Hier ist es wichtig, das Maß für Zerlegung und Wiederzusammensetzung von Services zu wählen und Standard-Schnittstellen für deren Kommunikation zu definieren.

Unternehmensportale als Einstiegspunkt und Interaktionsservices verschiedener SOA-Komponenten
Flexible Unternehmensportale bekommen gerade durch eine SOA eine immer größere Bedeutung, da sie als Einstiegspunkt und für Services für direkter Interaktion des Benutzers mit dem System verschiedene SOA-Komponenten und -Architekturen integrieren (Web 2.0-Komponenten, Composite Applications, Real-time-Informationen, konsistente Kunden- und Stammdaten). So erhöhen sie die Benutzbarkeit ("Consumability") einer SOA für den Anwender deutlich. Portale haben prinzipiell das Ziel, durch die Komposition bestehender Services, Endanwender ständig noch produktiver zu machen. In Portalen entwickeln sich die Schnittstellen zum Endanwender durch den Einsatz von konfigurierbaren Portlets schneller und leisten so einen stetig wachsenden Wertbeitrag zur Geschäftsoptimierung (Beispiele: Wikis, Mashups, Blogs, RSS Feeds). Daraus ergibt sich eine höhere Flexibilität und Agilität für das Geschäft, da die Unternehmensintegration über neuartige Kollaborationstools gefördert wird.

Fazit :

Mit der Entwicklung eines "Ökosystems" auf Basis einer SOA enststeht ein erheblicher Mehrnutzen. SOA wird eine ähnlich dynamische Entwicklung wie das Internet nehmen. Auf Basis der Komponenten entstehen industrielle Muster (Patterns), die in anderen (älteren) Industrien wie Maschinenbau, Automobilbau, Chemie- und Pharma-Industrie bekannt sind und sich bestens bewährt haben.

weiter zum nächsten Kapitel "SOA und Security"

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Autor(en) dieses Artikels

Dr. Sabine Thürmel

Co-Autor(en) dieses Artikels

Wolfgang Beinhauer, Fraunhofer Institut für Arbeitswirtschaft und Organisation - Georg Ember, IBM Deutschland GmbH - Hartmut Kaiser - Friedrich Vollmar, IBM Deutschland GmbH

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